Ethik
Medizin ohne Grenzen
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Modern, billig, schnell: Diskont-Zahnärzte aus Polen
14.5.2006 - Sybille Neveling

Zu größeren Zahnbehandlungen reisen viele Schweden nach Polen, um die Kosten zu drücken. Denn seit Ende der Neunzigerjahre sind die Preise für zahnärztliche Behandlungen in Schweden um 60 Prozent gestiegen. Nun aber müssen die preisbewussten Patienten nicht mehr zu Zahnärzten ins Ausland fahren. Mittlerweile nämlich geht es auch umgekehrt: Die moderne Stockholmer Zahnklinik "City Dental" bietet Behandlungen zum Schnäppchenpreis an, denn die Zahnärzte dort kommen aus Osteuropa. Sybille Neveling von Radio Schweden hat die Praxis besucht.

Das Telefon klingelt fast pausenlos in der neu eröffneten Zahnklinik City Dental. Helferinnen in weißen Tennishemden eilen über das Parket des geräumigen Wartezimmers und nehmen die Patienten an einem langen Tresen in Empfang. Die gesamte Ausrüstung ist nagelneu. Die Atmosphäre erinnert eher an den Eingangsbereich eines Fitness-Studios. Und so soll es auch sein, erklärt Mattias Santesson, der Gründer der neuen Zahnklinik:

"Wir wollen, dass die Patienten nicht so sehr daran denken, wo sie sind. Hier soll es nicht nach Zahnarzt aussehen und riechen. Es soll einfach kein großes Ding sein, zum Zahnarzt zu gehen. Viele Menschen haben ja Angst davor, und deshalb wollen wir eine entspannte Atmosphäre schaffen."

Trotz großen Andrangs sind die Wartezeiten für schwedische Verhältnisse relativ kurz. Inger Nordin sitzt in einem der modernen schwarzen Kunstledersessel am Fenster zu Stockholms Einkaufsstrasse Drottninggatan und blättert in einer Zeitschrift. Ihren dunklen Mantel und den gestreiften, langen Wollschal hat die braunhaarige Frau gleich anbehalten. Sie hat den Eindruck, dass es hier schnell geht.

"Ich will eine Wurzelfüllung machen lassen. Das kann ja eine komplizierte und teure Behandlung werden. Deswegen will ich mich erstmal untersuchen und beraten lassen. Mir ist vor allem wichtig, dass ich mich beim Zahnarzt gut aufgehoben fühle, und wir einander verstehen."

Die Verständigung könnte sich tatsächlich komplizierter gestalten als gewöhnlich. City Dentals Zahnärzte kommen aus Polen und die Arbeitssprache ist Englisch. Mattias Santesson hat zehn Mitarbeiter aus Osteuropa eingestellt um preislich mit anderen Praxen konkurrieren zu können. "Zahnarzt zum halben Preis!" versprechen die fetten Lettern auf der Website von City Dental. Es gibt in Schweden keine Preisbindung für zahnärztliche Behandlungen.

Konkurrenzvorteil und Einsparung im Vergleich zu herkömmlichen Praxen sind auch die langen Öffnungszeiten. Alltags von 8 bis 20 Uhr und samstags und sonntags von 9 bis 16 Uhr. Dadurch wird die kostspielige Ausrüstung der Behandlungsräume besser ausgelastet, und er kann die Preise niedriger halten, erläutert Santesson. Wie viel die polnischen Zahnärzte verdienen, verrät er nicht. Das sei ein Geschäftsgeheimnis.

Die Patienten jedenfalls lassen sich anscheinend durch mögliche Sprachschwierigkeiten nicht abhalten. Noch bevor die Praxis überhaupt eröffnete, liefen die Telefone heiß, erzählt Santesson. Er steht in einem halbfertigen Behandlungsraum und beobachtet die Handwerker bei der Arbeit:

"Hier herrscht ein bisschen Panik, weil so viele anrufen und uns besuchen. Wir hatten großen Andrang erwartet. Aber nicht, dass er so groß würde."

Einen der ganz schnell entschlossenen Patienten treffen wir am Ausgang. Der weißhaarige Herr mag seinen Namen nicht nennen - er findet, dass er nach der vollzogenen Behandlung ein bisschen nuschelt. Aber er ist sehr zufrieden, versichert er:

"Keine Probleme. Wir haben Englisch gesprochen. Es war auch eine Zahnarzthelferin dabei, die sprach Schwedisch. Bei mir war eine Wurzelfüllung fällig. Ich bin neulich schon hier gewesen und muss in ein paar Tagen noch mal wiederkommen. Die Stelle war vereitert, aber ich hab nach der Behandlung keine Schmerzen gehabt, es klappt prima."

Zahnbehandlungen sind aus dem staatlich finanzierten schwedischen Gesundheitssystem weitgehend ausgeklammert. Patienten zwischen 20 und 65 Jahren müssen die Kosten großteils selbst tragen. Vor allem junge Leute gehen erst zum Zahnarzt, wenn es unbedingt sein muss. Der günstige Tarif der neuen City Dental Praxis lockt aber offenbar auch junge Kunden. Magnus Kocks sitzt mit Strickmütze und MP3-Player im Wartezimmer. Er ist Mitte zwanzig und war schon seit mehreren Jahren nicht mehr beim Zahnarzt, erzählt er:

"Nur zum Nachschauen bin ich hier. Ich bin seit vier Jahren nicht mehr beim Zahnarzt gewesen. Aber ich hab keine Schmerzen. Diese Praxis hab ich hauptsächlich wegen des Preises ausgesucht."

Der Preis ist auch für eine polnische Patientin, die in Schweden lebt, ein wichtiger Faktor. Sie hat sich gerade einen Kostenvoranschlag für einen größeren Eingriff machen lassen:

"Ich bin wirklich froh, dass es jetzt Zahnbehandlungen gibt, die wir gewöhnlichen Arbeiter auch bezahlen können. Wenn der Doktor in Schweden einem mal schnell in den Mund schaut, wird's sonst gleich teuer."

In Polen seien zwar die Zahnarztkosten niedriger, sagt sie. Aber anstatt wie bisher zur Behandlung über die Ostsee zu reisen, wird sie in Stockholm zum polnischen Zahnarzt gehen:

"Die Fahrt nach Polen kostet ja auch Zeit und Geld, und das Hotel dort muss ich zusätzlich bezahlen."


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Als deutscher Arzt in Großbritannien: Ein Blick auf zwei Systeme
14.5.2006 - Ruth Rach

In Deutschland streiken die Ärzte. Sie fühlen sich ausgebeutet, klagen über schlechte Arbeitsbedingungen - und wandern ab. Vor sechs Jahren kehrten rund 1000 Mediziner Deutschland den Rücken, vor zwei Jahren waren es bereits mehr als 2.700 Ärzte. Der Schwund wird immer größer - eine Riesenverschwendung von Ressourcen, klagen Experten. Insgesamt arbeiten etwa 12.000 deutsche Ärzte im Ausland. Besonders beliebt ist Großbritannien. Auf den ersten Blick ein Rätsel, zumal der NHS, der staatliche Britische Gesundheitsdienst, eher mit negativen Schlagzeilen von sich hören macht. Was macht den NHS für Ärzte attraktiv? Ruth Rach hat sich mit einem deutschen Arzt unterhalten, der schon im Jahre 1994 auf die Insel abwanderte. Eigentlich wollte er dort nur ein Praktikum absolvieren. Inzwischen hat er eine führende Stellung in einem großen Krankenhaus in Südlondon.

"Mein Name ist Markus Simmgen. Ich bin Consultant, das ist ein Zwischending zwischen Oberarzt und Chefarzt. Man ist im Prinzip sein eigener Herr, und hat keinen Chef mehr über sich. Aber man hat mehrere gleichgestellte Kollegen, die alle auf Oberarzt-Level arbeiten."

Welche Vorteile hat es denn für Sie, in Großbritannien zu arbeiten?

"Das Arbeitsklima ist sehr viel entspannter, und die Hierarchie ist flacher. Die Leute reden miteinander, sind relativ unkompliziert. Man kann andere einfach anrufen und mal um ihre Meinung fragen. Ich nehme an, dass ich auch eine breitere praktische Ausbildung bekommen habe. Denn hier muss man zum Beispiel mindestens sechs Monate Innere Medizin machen, dann sechs Monate Chirurgie, und dann noch einmal sechs Monate in einem Fach seiner Wahl. Danach konnte ich erst für zwei oder drei Jahre verschiedene Subfächer der Inneren Medizin absolvieren."

Gibt es im Vergleich zu Deutschland auch Nachteile?

"Es ist nach wie vor so, dass der NHS unter der jahrzehntelangen Unterfinanzierung leidet. Das ist besonders in den Gebäuden und der Infrastruktur zu sehen. Eine bestimmte Art von Rationalisierung findet wohl nach wie vor statt. Es wird gefragt, ob etwas wirklich eine wichtige Ausgabe ist, ob es die Menschen gesünder macht. Geld wird nicht so ohne weiteres ausgegeben."

Würden Sie denn sagen, dass die Menschen in Deutschland umgekehrt überbehandelt werden?

"Mir scheint, das deutsche Gesundheitssystem ist deshalb so kostenträchtig, weil es dort die Aufteilung zwischen der Krankenhausmedizin und den niedergelassenen Ärzten gibt, die ebenfalls ein berechtigtes Interesse daran haben, dass es ihnen wirtschaftlich gut geht. Hier in England finden sämtliche fachspezifische Konsultationen in einem Bereich eines Krankenhauses statt. Das ist ein Poliklinik-System, das natürlich wesentlich kostengünstiger arbeitet. Die Duplizierung, die es in Deutschland gibt, braucht man nicht."

Haben Sie das Gefühl, dass Sie hier mehr Verwaltungsarbeit haben, oder auch mehr Nachtschichten?

"Der große Unterschied besteht darin: In Deutschland braucht das Krankenhaus die Ärzte auch, um den gesamten Vorgang rund um jeden Patienten, der ins Krankenhaus kommt und wieder entlassen wird, zu kodieren. Hier in England ist das delegiert. Das wird von Leuten in der Administration erledigt und ist kein Aspekt meiner Arbeit. Ich habe aber relativ regelmäßige Verantwortung in der Lehre, also für Studenten, die bei uns entweder im Team mitarbeiten oder im Krankenhaus Unterricht haben. Und was die Nachtschichten betrifft: Diese stimmen inzwischen mit der europäischen Arbeitszeitdirektive überein, die von 48 Wochenarbeitsstunden spricht. Deutschland hingegen hat diese Legislatur nun für ein weiteres Jahr ausgesetzt, auf dem Rücken der Ärzteschaft. Die Gesellschaft und vor allem die Politiker in Deutschland haben noch nicht erkannt, wohin sich das deutsche Gesundheitssystem in den nächsten fünf oder zehn Jahren vermutlich entwickelt, wenn die jetzigen Ärzte in Rente gehen und sich immer weniger junge Leute für das Studium interessieren."

Wo verdienen die Ärzte besser: In Großbritannien oder in Deutschland?

"Ich glaube, besser verdient wird hier in England. Aber auch die Lebenshaltungskosten sind deutlich höher. Das heißt, ich glaube nicht, dass man sich hier einen höheren Lebensstandard für das Gehalt leisten kann. Der scheint mir wieder fast in Deutschland höher zu sein."


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Nichteuropäische Ärzte in Paris - Leben und Arbeiten am Rande der Legalität
14.5.2006 - Nadine Baier

Polnische Zahnärzte in Schweden, deutsche Mediziner in Großbritannien: Leicht haben auch sie es nicht immer, doch sind - oder werden - innerhalb der Europäischen Union wenigstens die größten administrativen Hürden beseitigt. Ganz anders ist die Situation für Nicht-EU-Bürger. Zum Beispiel arbeiten in Frankreich zirka 6.000 diplomierte außereuropäische Ärzte. Eigentlich dürften sie nicht praktizieren, denn ihre Diplome sind nicht anerkannt. Und dennoch verrichten sie dieselbe Arbeit wie ihre französischen Kollegen, haben aber nicht denselben Status. Und der Staat schließt beide Augen, handelt es sich doch um billige Arbeitskräfte. Nadine Baier von Radio France Internationale über Chancenungleichheit in Krankenhäusern:

Dr. Tsalal Annani ist Gynäkologe und arbeitet in einem versteckten Kämmerchen im Krankenhaus von Fontainebleau, einem Pariser Vorort. Wenn man dort nach ihm fragt, kennt man ihn nicht, und auch auf Listen und Aushängeschildern ist er nicht zu finden. Er ist eigentlich nicht da - und doch macht er dieselbe Arbeit wie seine französischen Kollegen - verdient jedoch 30 bis 50 Prozent weniger. Das muss aufhören, sagte er sich. Der Franzose mit dem libanesischen Diplom ist Vorsitzender der Gewerkschaft der außereuropäischen Ärzte:

"Es handelt sich um Chancenungleichheit, weil wir die gleiche Arbeit verrichten, die gleichen Kompetenzen haben, jedoch nicht das gleiche Gehalt bekommen. Es ist eine Diskriminierung, weil wir eigentlich nicht arbeiten dürfen. Und wir sind der Meinung, dass man unsere Diplome diskriminiert, Doktordiplome, die in Frankreich nicht anerkannt sind. Und dennoch arbeiten wir offiziell als Ärzte. Also es handelt sich hierbei um Diskriminierung, aber auch um viel Scheinheiligkeit."

Frankreich 1990. Das Land brauchte Ärzte, um den Numerus clausus, der die Anzahl der Mediziner in Frankreich enorm begrenzt, zu kompensieren, und appellierte an Mediziner aus Nordafrika, Schwarzafrika und dem Nahen Osten. Die kamen auch, zahlreich. Erst einmal für eine kurze Zeit. Aus den Monaten wurden Jahre. Aus ein paar hundert wurden tausend Ärzte. 1999 verbot ein Gesetz Krankenhausleitern zwar außereuropäische Ärzte einzustellen - eine Zulassungsprüfung sollte im Vorfeld die Kompetenzen überprüfen - doch die Jahre vergingen, und der Staat schaute weiter zu. Schließlich waren es billige Arbeitskräfte. Erst im letzten Jahr kam die berüchtigte Zulassungsprüfung dann zum Tragen. Für völlig unpassend hält Dr. Annani dieses Examen:

"Heute bietet man uns eine Prüfung an, um uns als fähig oder unfähig in einen Beruf einzustufen, den wir schon lange ausüben. Es handelt sich um ein schulisches Examen. Weder die Betriebszugehörigkeit wird berücksichtigt noch die Berufserfahrung. Wir haben nichts gegen dieses Verfahren an sich, es ist allerdings vollkommen ungeeignet für Ärzte, die schon im Dienst sind. Es ist, als ob man heute den Gesundheitsminister auffordern würde, sein Abitur nochmals zu machen - ich denke, darauf hat er keine Lust."

Dr. Tsalal Annani ist beispielsweise durchgefallen - trotz sechs Jahren als praktizierender Arzt. Und wer die Prüfung nicht besteht, arbeitet trotzdem weiter. Sprachtest - steht auf dem Prüfungsbogen - obwohl manche schon Jahrzehnte in Frankreich leben und meist die französische Staatsbürgerschaft besitzen. 4.000 Kandidaten werden geprüft, für angeblich nur 200 zu besetzende Stellen. Ein Widerspruch:

"Wie kann man vorgeben, so wenige Ärzte zu brauchen, während Frankreich ganz klar einen Ärztemangel hat? Sonst wären wir nämlich nicht da. Diese 6.000 Mediziner besetzen Stellen, sie leisten reelle Arbeit. Wenn sie also gehen würden, würden 6.000 Ärzte fehlen."

Bei anderen hat sich das Problem schon von ganz alleine gelöst. So können nun polnische Ärzte durch die Aufnahme in die EU direkt ans Skalpell. Ohne Test, sogar ohne Sprachkenntnisse. Denn die sind ja Europäer.


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Europa auf der Wellness-Welle?
14.5.2006 - Petra Kohnen

Nadine Baier war das aus Paris. Verlassen wir jetzt die Arztpraxen und Krankenhäuser und widmen wir uns einem Bereich der Medizin, der meist mit angenehmeren Vorstellungen verbunden ist - nämlich den Kuraufenthalten. Den deutschen Heilbädern geht es schlecht. Die Zahl der Heilbehandlungen sinkt von Jahr zu Jahr. Wurden von den Krankenkassen 2003 noch über 1,5 Millionen Kuren genehmigt, so waren es im letzten Jahr gleich über 40 Prozent weniger. Die Bäder können deshalb von Vorsorge- oder Reha-Maßnahmen allein kaum mehr existieren. Die Branche hat sich deshalb etwas Neues einfallen lassen: Sie setzt auf Wellness und Beauty. Armand Feldhoff und seine Partnerin Adreana Joan, beide aus Rumänien, haben den Trend der Zeit erkannt und in einer Hotelkette in Bad Godesberg ein Wohlfühlstudio eingerichtet. Petra Kohnen hat mit ihnen gesprochen.

Frau Joan, seit über einem Jahr haben Sie hier ein Wellness-Zentrum eingerichtet. Zu Ihren Gesundheits- und Entspannungsangeboten zählen Massagen, Körperpflege etc. Konnten Sie sich bereits einen Kunden- bzw. Kundinnenstamm aufbauen?

"Ja, in der kurzen Zeit haben wir uns schon einen recht großen Kundenstamm aufgebaut. Ich bin Nageldesignerin und mache auch Permanent Make-up. Dabei habe ich gesehen, dass alles mehr in Richtung Wellness-Trend geht, und so habe ich mich entschlossen, einen Wellness-Bereich aufzumachen."

Die Generation 50 plus, so zeigen es zumindest die aktuellen Umfragen, setzt ja am meisten auf Wellness. Auch im Fitness-Bereich soll der Anteil der über Fünfzigjährigen bereits bei etwa 25 Prozent liegen. Können Sie das bestätigen?

"Ja, ein großer Teil unserer Kunden ist 50 oder älter. Aber es nehmen auch Kunden ab 30 unsere Angebote in Anspruch."

Herr Feldhoff, die deutschen Krankenkassen zahlen immer weniger für Massagen und Prävention im Gesundheitsbereich. Sind Ihre Kunden Selbstzahler oder bringen sie ein Rezept von der Krankenkasse mit?

"Das sind alles Selbstzahler. Die Krankenkasse übernimmt keine Kosten."

Ihr Heimatland ist Rumänien, und Sie sind erst vor recht kurzer Zeit nach Deutschland gekommen. War es nicht ein Wagnis, solch einen Wellness-Bereich aufzubauen?

"Ich bin früher schon mit meinen Eltern immer nach Deutschland gekommen. In Rumänien habe ich 18 Jahre lang gelebt, und wir waren auch dort im Wellness-Bereich tätig. Deshalb habe ich das nun zusammen mit meiner Freundin auch in Deutschland gemacht."

Wellness und Beauty - das hört sich immer teuer an, zumal die Krankenkassen das eben nicht übernehmen. Kann sich das jeder hier leisten, Frau Joan?

"Wir haben ein Konzept entwickelt, damit sich jede Einkommensgruppe etwas leisten kann. Von teureren bis zu günstigeren Angeboten - es ist für alle etwas dabei."


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Die EU macht's möglich: Deutsche Krankenkassen bezahlen Kuraufenthalte in Westböhmen
14.5.2006 - Gerald Schubert

Ein bisschen mehr leisten als daheim können sich viele Deutsche, wenn sie zur Kur ins Ausland fahren. Zum Beispiel nach Tschechien, ins westböhmische Bäderdreieck, gleich hinter der Grenze. Während deutsche Kurbäder oft über die Konkurrenz aus dem Osten klagen, können die Patienten sich freuen: Kostengünstige Angebote, modernste Medizin, und das alles gewürzt mit dem Flair der vorletzten Jahrhundertwende - eine Kombination, mit der zum Beispiel die Kurstadt Marianske Lazne, zu Deutsch Marienbad, internationale Kundschaft nach Tschechien lockt.

Einige Gäste kommen mittlerweile sogar auf Kosten ihrer deutschen Krankenkassen - eine ganz neue Form des Kurtourismus, erzählt Patrticie Irlvekova, die Marketing-Direktorin von "Marienbad Kur und Spa Hotels":

"Wir haben die Kooperation mit deutschen Krankenkassen erst vor kurzer Zeit begonnen. Voriges Jahr haben wir einige Verträge geschlossen, und jetzt sind wir erst am Anfang. Aber wir hoffen, dass sich diese Kooperation gut entwickelt, und dass künftig noch mehr Gäste über die deutschen Krankenkassen zu uns kommen."

Einer der ersten Vertragspartner war die Hanseatische Krankenkasse, mittlerweile arbeiten die "Marienbad Kur und Spa Hotels" aber mit mehreren Kassen zusammen:

"Die Produkte, die die deutschen Krankenkassen den Gästen anbieten, sind sehr unterschiedlich. Einige bezahlen nur Vorsorgemaßnahmen, einige gewähren einen Zuschuss für die Wellness- oder Kurangebote, andere wiederum bieten Rehabilitation oder stationäre Programme an."

Pavel Knara ist Chefarzt im Hotel Nove Lazne, dem wohl prominentsten Kurhaus in Marienbad. Ungefähr 85 bis 90 Prozent seiner Patienten haben Schwierigkeiten mit dem Bewegungsapparat, der Rest hat Nieren-, Harnwegs- oder Atemwegsprobleme. Primarius Knara ist stolz auf seinen Arbeitsplatz:

"Dieses Kurhaus wurde am 1. Juni 1896 eröffnet. Schon im Jahre 1897 war der englische König Edward VII. bei uns auf Kur. Das was damals die mächtigste Person der Welt, so wie jetzt zum Beispiel Bush. Ich zeige Ihnen jetzt die Königskabine, wo er gebadet hat. Das ist die schönste Sehenswürdigkeit in Marienbad! - Hier können Sie die Sesselwaage sehen, auf der König Edward VII. immer gewogen wurde. Und hier drüben ist die Wanne. Aus diesem Gerät hier kommt Dampf. Es handelt sich um ein Heizungssystem. Denn wie ich schon gesagt habe: Das Mineralwasser ist kalt, es hat nur etwa 10 Grad, und wir müssen es auf Badetemperatur

erwärmen. Die beträgt hier 34 Grad. Alle Geräte hier sind historische Originale aus dem Jahr 1896. Die Atmosphäre ist großartig. Wenn Sie sich hier entspannen, dann meinen Sie, Sie sind im Himmel."

Eine Frau aus Deutschland liegt in Tücher gehüllt auf einem Ruhebett und nickt zustimmend. Sie zählt bereits zu den Stammgästen. Seit vier Jahren kommt sie mit einer Gruppe von 40 Frauen regelmäßig nach Marienbad. Ihren Aufenthalt finanziert sie selbst. Doch auch ihre Krankenkasse bietet mittlerweile Kuren in Marienbad an:

"Ja, seit 1. Juli letzten Jahres. Wir bleiben aber immer nur eine Woche hier, und das wird nicht bezuschusst. Einen Zuschuss gibt es erst bei zwei Wochen Aufenthalt."

Fotos: Linda Pölz


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